Sportliche Aktivität in Japan

Ein neuer Eintrag aus dem Tagebuch von Dalila, der Ernährungswissenschaftlerin und Reisenden, die vom authentischen Japan berichtet, abseits des Massentourismus. Diesen Monat folgen wir ihr nach Kōbe, einer Stadt mit weltoffenem und modernem Flair, im südlichen Teil des Landes.

In der Ferne ist der große Hafenturm in Form einer Tsuzumi, einer traditionellen japanischen Handtrommel, zu sehen. Dieser faszinierende Anblick lässt keine Zweifel aufkommen: Wir erreichen den Hafen von Kōbe.

Sobald ich vom Schiff steige, wandert mein Blick zum Meriken Park, einem kleinen Park in Richtung Süden. Während ich von den modernen Kunstwerken und Gartenanlagen beeindruckt bin, fällt mein Blick auf einen Mann, dessen Gesicht sichtbar von der Zeit geprägt ist und auf einer modernen Stahlkonstruktion verweilt. Ich schmunzle über den Kontrast zwischen der historischen und der modernen Präsenz dieses Ortes.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation zählt Japan zu den Ländern mit der höchsten Lebenserwartung. Während der Reise war ich häufig von der Vitalität der älteren Menschen beeindruckt. Ich erinnere mich gerne an die Begegnung mit der Yakult Lady in Otaru zurück. Die elegante, ältere Dame demonstrierte die Fläschchen mit der gleichen Energie und Vitalität wie eine junge Dame.

Das Geheimnis der hohen Lebenserwartung liegt zweifellos in der gesunden Lebensweise. Die Kombination von gesunder Ernährung und einem aktiven Lebensstil machen sie zu einem Paradebeispiel für Ärzte und Ernährungswissenschaftler.

Ich liebe es, alleine zu joggen und dabei Musik zu hören: Es hilft mir, meinen Geist zu befreien und Platz für neue Ideen zu schaffen. Seit meiner Ankunft in diesem Land habe ich jedoch festgestellt, dass das Laufen mit Kopfhörern durch die Stadt nicht so verbreitet ist wie im Westen. Tatsächlich scheint die japanische Kultur der sportlichen Betätigung eine größere soziale Bedeutung beizumessen. Die Einwohner sammeln sich beispielsweise in Parks und treiben dort gemeinsam Sport.

Um chronische Krankheiten, die mit Übergewicht verbunden sind, zu verhindern, hat die japanische Regierung eine strenge Gesetzesvorschrift erlassen. Die Vorschrift verpflichtet Bürger im Alter zwischen 40 und 74 Jahren ihr Gewicht in einem angemessenen Rahmen zu halten. Die Verabschiedung des Gesetzes hat zu einer Zunahme von diversen Maßnahmen für einen aktiven Lebensstil geführt: So werden beispielsweise Fitnessstudios von Menschen jeden Alters besucht und sind häufig rund um die Uhr geöffnet. Auch viele Unternehmen ergreifen präventive Maßnahmen, indem sie Mitarbeitern Umkleidekabinen und Duschräume zur Verfügung stellen.

Zu den häufig praktiziertesten Sportarten in Japan zählen die traditionellen japanischen Kampfkünste, die im Mittelalter aus den Trainingstechniken der Samurai entstanden sind. Zu den beliebtesten  Kampfkünsten zählen ken-dō (Weg des Schwertes), Karate-Do (Weg der leeren Hand), aiki-dō (Weg der geistigen Harmonie), kyu-do (Weg des Bogens) und  ju-do (Weg der Freundlichkeit).

Wie bei allen japanischen Künsten erfolgt die Verbesserung durch einen schrittweisen Weg, der durch das Symbol do – also „Weg“ – in allen Disziplinen gekennzeichnet ist. Aus körperlicher Sicht kommen Kampftechniken in Kombination mit Atemübungen den Knochen,  Herz-Kreislauf- und Stoffwechselsystem zugute. Die größte Stärke der Kampfkunst liegt jedoch in der Gestaltung des Charakters und in der Kraft des Geistes: Es sind Praktiken, die lehren, negative Emotionen in effektive Verteidigungs- und Gegenangriffsbewegungen umzuwandeln. Durch die Kampfkunst wird das Wohlbefinden von Körper und Seele gefördert.

Ich kann diesem Grundsatz nur zustimmen. Meine Leidenschaft für Tennis hat meine Jugend geprägt und mir geholfen, eine gute körperliche Fitness zu entwickeln, sogar meine persönliche Entwicklung hat ebenfalls davon profitiert. Das tägliche Training lehrt die Ausdauer, die notwendig ist, um das Ergebnis zu erreichen; Siege belohnen die Opfer, die erbracht wurden und Niederlagen helfen, bescheiden zu bleiben. Die Lebenskunst lässt sich am besten durch die Ausübung von Sport bewältigen.

Habt eine gute Zeit – Yoi hibi o!