Was genau passiert in unserem Magen-Darm-Trakt?

Wir bringen Licht ins Dunkel: Begleiten Sie uns auf eine kurze Reise durch den Verdauungstrakt, entdecken Sie seine Bausteine und Bewohner und erfahren Sie, wo das Immunsystem sitzt. Während unser Essen im Verdauungstrakt 24 bis 72 Stunden unterwegs ist, braucht unser Kurztrip nur ein paar Minuten.

Wenn wir etwas essen, wandert der Bissen zunächst in den Mund und verschwindet dann im Dunkel unseres Verdauungstraktes. Was passiert da eigentlich unterwegs? Der Verdauungstrakt ist nicht nur ein langer Schlauch, sondern ein komplexes System aus verschiedenen Abschnitten und Organen. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass das Essen in Bausteine zerlegt wird, die unser Körper zum Aufbau für Energie und weitere Aufgaben verwendet. Wussten Sie, dass der Darm für unsere Immunabwehr wichtig ist, zur Gesundheit und zum Wohlbefinden beiträgt sowie unser Bauchgefühl beeinflusst?

Mund – kauen, verdauen und genießen

Schon beim Anblick einer Leckerei läuft uns das Wasser im Mund zusammen. Die Speicheldrüsen produzieren etwa 1,5 Liter Speichel pro Tag. Der Speichel enthält Enzyme, die vor allem Kohlenhydrate zu Zuckerbausteinen abbauen. Beim Kauen zerkleinern wir das Essen mit den Zähnen und vermischen es mit dem Speichel. Rund 10.000 Geschmacksknospen auf der Zunge lassen uns das Essen schmecken.

Speiseröhre – starker Muskelschlauch

Einmal Schlucken, schon geht es weiter in die Speiseröhre. Der 25 Zentimeter lange Muskelschlauch befördert das Essen durch wellenförmige Muskelbewegungen, auch Peristaltik genannt, in den Magen. Die Muskeln sind übrigens so stark, dass wir sogar kopfüber essen und trinken können.

Magen – Muskelprotz mit Verdauungscocktail

Durch den Magenpförtner, einen Schließmuskel, der ein Zurückfließen des Speisebreis verhindert, gelangt das Essen in den Magen. Wenn der leer ist, ist er nur faustgroß. Er kann sich jedoch locker bis zu einem Volumen von gut zwei Litern dehnen. Im Magen wird das Essen von den Muskeln durchgeknetet und mit Hilfe des Magensaftes verdaut. Darin stecken Enzyme, die Eiweiße und Fette aufspalten. Die Magensäure tötet die meisten Bakterien ab. Während normale Hauptmahlzeiten etwa 1-5 Stunden im Magen verweilen und Gänsebraten auch mal sieben Stunden liegen bleibt, verlassen Flüssigkeiten oder Zucker den Magen bereits nach einer halben Stunde und werden nach und nach in den Dünndarm abgegeben.

Bauchspeicheldrüse (Pankreas) – neutralisieren und spalten

Hinter dem Magen liegt eine wichtige Drüse, die Bauchspeicheldrüse. Ihr Ausgang mündet in den ersten Abschnitt des Dünndarms, den Zwölffingerdarm. Hier schüttet die Bauchspeicheldrüse einen alkalischen Verdauungssaft aus, der die Magensäure neutralisiert. Zudem enthält er Enzyme, die im Dünndarm Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße in kleinste Bausteine abbauen, die der Körper aufnehmen kann.

Dünndarm – riesengroße Nährstoffschleuse

Nun beginnt der längste Abschnitt der Reise. Wie der Name schon sagt, ist der Dünndarm ein dünner Schlauch von 2,5 Zentimeter Durchmesser. Dafür aber umso länger: Sagenhafte 4-7 Meter kringeln sich in unserem Bauch. Seine Innenfläche ist so groß wie ein Tennisplatz! Wie geht das? Auf der Innenwand befinden sich unzählige Falten und Ausstülpungen, Zotten genannt. Auf denen sitzen wie ein Bürstensaum kleine fingerförmige Ausstülpungen, die Mikrovilli. Würde man das alles glatt bügeln, könnte man einen Tennisplatz damit belegen. Wozu dient so eine riesige Oberfläche? Im Dünndarm werden die winzigen Bausteine aus dem Essen durch die Darmwand geschleust und in den Blutkreislauf aufgenommen. Das braucht viel Platz.

Leber und Galle – Auf- und Abbauzentrale

Unsere Leber dient als zentrale Aufbau- und Entgiftungsstation. Sie ist die größte Drüse des menschlichen Körpers. Über das Blut nimmt die Leber Nährstoffe aus dem Darm auf. Sie kann Kohlenhydrate, Fette und Vitamine speichern. Die Leber baut Schadstoffe ab und andere wichtige Stoffe auf. So bildet die Leber unsere Gallenflüssigkeit, die Fett im Darm emulgiert und die Oberfläche des Fettes vergrößert. Dies führt zu mehr Kontakt zwischen Fettmolekülen und Enzymen im Dünndarm. Die Galle wird in der Gallenblase konzentriert und gespeichert und bei Bedarf durch den Gallengang in den Zwölffingerdarm abgegeben.

Dickdarm – Bakterien als Ausputzer

Geht die Reise durch den Dünndarm recht flott in etwa sechs Stunden, verlangsamt sich das Tempo im nur ca. 1,5 Meter langen Dickdarm. Sieben bis 70 Stunden wandern die Reste des Speisebreis durch den bevölkerungsreichsten Darmabschnitt. Hier tummeln sich Billionen verschiedenster Darmbakterien. Sie bauen Nahrungsreste ab, die im Dünndarm noch nicht verdaut wurden. Einige Darmbakterien können sogar Vitamine herstellen.  Zudem produzieren sie kurzkettige Fettsäuren, die hauptsächlich von lebenden Bakterien im Darm gebildet werden. Kurzkettige Fettsäuren stimulieren die Produktion von so genannten regulatorischen T-Zellen, die Entzündungen im Körper hemmen. Nützliche Darmbakterien trainieren das Immunsystem. Im letzten Teil des Dickdarms, dem Mastdarm werden dem Darminhalt Wasser und Mineralstoffe entzogen. Der eingedickte Stuhl, der schließlich ausgeschieden wird, besteht dann zu 30 – 50% aus Bakterien.

Immunsystem und Bauchhirn – Wunder im Darm

Wissen Sie wo das Immunsystem sitzt? Ein Großteil der Immunzellen befindet sich im Darm. Denn unser Darm bildet mit im Durchschnitt 300 Quadratmetern die größte Kontaktfläche zur Außenwelt, deutlich mehr als die Haut mit etwa 2 Quadratmetern. Gemeinsam mit den Darmbakterien wirken die Immunzellen im Darm als Türsteher, die unliebsame Eindringlinge wie Krankheitserreger abwehren.